Einmal entwickeln. Dauerhaft nachnutzen.
Wir bauen einen offenen Ordner für digitale Fachverfahren. Kleine Lösungen für konkrete Aufgaben – entwickelt, um nachgenutzt, angepasst und gemeinsam weiterentwickelt zu werden.
Hier erklären wir das Modell: vom konkreten Bedarf über die Entwicklung bis zur Nachnutzung. Der Ordner ist noch im Aufbau. Genau deshalb erzählen wir, wie er gefüllt wird, und nicht, was schon fertig im Regal steht.
Was ist Standardordner2030?
Standardordner2030 ist kein fertiger Katalog und keine große Suite. Wir bauen einen offenen Ordner, in dem digitale Fachverfahren entstehen und anschließend von weiteren Kommunen und Organisationen nachgenutzt werden können.
Eine Kommune oder öffentliche Organisation hat ein konkretes Problem und braucht dafür ein Fachverfahren. Das kann zunächst für diese eine Organisation entwickelt werden – oder gemeinsam mit weiteren, die dasselbe Problem haben.
Anschließend liegt das Fachverfahren als offener Baustein im Ordner. Andere können es nachnutzen, an ihre Abläufe anpassen oder gemeinsam weiterentwickeln.
Klein heißt dabei: eine klar abgegrenzte Aufgabe, ein überschaubarer Bedarf, schneller umsetzbar als ein Transformationsprojekt. Keine komplette neue Suite, keine unnötige Komplexität.
Einmal entwickeln. Mehrfach nachnutzen. Gemeinsam weiterentwickeln.
Vom Alltagsschmerz zur Lücke
Der Ausgangspunkt ist kein technisches Problem, sondern ein sehr menschlicher Gedanke: „Dafür müsste es doch eigentlich eine Lösung geben!“
Diesen Satz kennt, wer in Verwaltung, Organisation oder Digitalisierung arbeitet. Eine Aufgabe kostet jeden Tag Zeit: Listen in Excel, E-Mails hin und her, Informationen zwischen Systemen kopieren, manuelle Workarounds, Software, die eigentlich für etwas anderes gedacht ist – oder die Erkenntnis, dass es für diese eine Aufgabe zwar theoretisch Software gäbe, dafür aber ein neues Großprojekt nötig wäre.
Das Problem ist oft nicht, dass es gar keine Software gibt. Das Problem ist, dass für eine konkrete Aufgabe gleich ein komplettes Projekt nötig wird. Standardordner2030 setzt eine Nummer kleiner an: bei der konkreten Aufgabe. Und wenn diese Lösung einmal funktioniert, muss die nächste Kommune nicht wieder bei null anfangen.
Nicht jedes Fachverfahren muss neu erfunden werden.
Eine Kommune braucht eine digitale Lösung für einen konkreten Prozess. Eine andere steht vielleicht schon bald vor derselben Aufgabe. Standardordner2030 denkt von der ersten Lösung zur nächsten Nachnutzung.
Der Weg ist: Bedarf, Entwicklung, Ordner, Nachnutzung, Anpassung, Weiterentwicklung. Was für eine Organisation entsteht, kann danach anderen zur Verfügung stehen. Eine Erweiterung bleibt wiederum Teil des offenen Fachverfahrens.
Aus einer einzelnen Lösung kann eine gemeinsame Lösung werden.
- Etwas existiert bereits: nachnutzen.
- Etwas existiert fast: an die eigenen Abläufe anpassen.
- Etwas fehlt: gemeinsam entwickeln und anschließend nachnutzen.
Eine Kommune hat eine Idee.
Ein Museum möchte einen bestimmten Prozess digitalisieren. Allein dafür eine komplette Software entwickeln zu lassen, kann unverhältnismäßig sein. Vielleicht stehen weitere Museen vor einer ähnlichen Aufgabe.
Wenn mehrere Einrichtungen denselben Bedarf haben, entsteht eine andere Grundlage: mehr Budget, mehr Perspektiven, mehr gemeinsame Vision. Trotzdem muss nicht erst auf alle gewartet werden. Eine Lösung kann bei einer Organisation beginnen. Nicht jedes Fachverfahren wird von Hunderten genutzt – die Logik bleibt dieselbe.
Allein anstoßen oder gemeinsam entwickeln.
Eine Kommune muss nicht warten, bis jemand anderes genau ihr Fachverfahren entwickelt. Sie kann die Entwicklung anstoßen. Das kann eine alleinige Entwicklung sein.
Noch interessanter ist es, wenn mehrere Organisationen denselben Bedarf haben und Anforderungen und Finanzierung gemeinsam tragen. Das Ergebnis bleibt nicht auf einen einzelnen Auftrag beschränkt. Gemeinsam steht mehr Budget, mehr Erfahrung und mehr Vision zur Verfügung – eine Lösung kann aber auch klein anfangen.
Die grundlegende Idee
Standardordner2030 denkt Fachverfahren kleiner, nachnutzbar und verbunden. Ein Verfahren muss nicht alles können. Es soll zunächst eine konkrete Aufgabe lösen – und so offen bleiben, dass andere es nachnutzen und anpassen können.
Was können wir behalten – und was können wir sinnvoll ergänzen?
- Anwendungen können eigenständig genutzt werden.
- Anwendungen können miteinander verbunden werden.
- Anwendungen können erweitert werden.
- Bestehende Software muss nicht automatisch ersetzt werden.
- Bestehende Systeme können sinnvoll ergänzt oder angebunden werden.
- Neue Funktionen können dort entstehen, wo sie tatsächlich gebraucht werden.
Nicht: „Welches komplette System müssen wir jetzt neu anschaffen?“
Für wen ist Standardordner2030 gedacht?
Die primäre Zielgruppe sind Menschen und Organisationen im öffentlichen Sektor – insbesondere kleinere und mittlere Kommunen, kommunale Verwaltungen, öffentliche Organisationen, kommunale Unternehmen und Eigenbetriebe sowie Verwaltungsmitarbeitende, Digitalisierungs- und IT-Verantwortliche in kleineren Organisationen.
Wichtig: Die Zielgruppe muss keine IT-Expertise haben. Standardordner2030 spricht zuerst Menschen in Deutschland an, die Verwaltung und Organisation besser machen wollen. Nicht Menschen, die nach „einer modularen API-first Open-Source-Architektur“ suchen.
Es soll Menschen abholen, die sagen: „Wir machen das gerade immer noch so – aber eigentlich müsste das doch einfacher gehen.“ Das ist der eigentliche Einstieg.
Was wir anders machen
Mehrere Grundprinzipien hängen zusammen und zeigen einen anderen Weg zwischen Großprojekt und Insellösung.
Kleine Probleme dürfen kleine Lösungen bekommen
Nicht jede Softwareanforderung muss automatisch zu einem mehrjährigen IT-Projekt werden. Wenn eine Organisation eine kleine, klar umrissene Aufgabe digital lösen möchte, sollte es dafür auch eine entsprechend überschaubare Lösung geben können.
Software muss nicht alles können
Eine Anwendung darf spezialisiert sein. Sie muss nicht gleichzeitig Posteingang, Anträge, Termine, Akten und Protokolle sein.
Software sollte zusammenspielen
Die einzelnen Anwendungen sollen nicht als abgeschlossene Inseln gedacht werden. Wenn Antrag und Termin zusammengehören, sollten sie miteinander arbeiten können. Wenn Posteingang und Akte zusammengehören, sollten Informationen fließen können – statt erneut manuell erfasst zu werden.
Bestehendes muss nicht weg
Nicht: „Wir haben jetzt neue Software, also ersetzt alles.“ Sondern: Was funktioniert bereits? Was fehlt? Was können wir ergänzen? Das macht Digitalisierung und Modernisierung schrittweise möglich.
Software darf sich verändern
Erweiterbarkeit ist hier wichtig. Software soll nicht in einer starren Form ausgeliefert werden, die für immer unverändert bleibt. Sie soll anpassbar bleiben und mitwachsen können.
Ein Fachverfahren muss nicht alles können
Ein Verfahren für eine konkrete Aufgabe darf genau diese Aufgabe lösen. Weitere Funktionen können später ergänzt werden – als weiterer Baustein oder durch die Verbindung mit bestehenden Systemen.
Antrag, Termin, Dokument, Vorgang: Was zusammengehört, soll voneinander wissen. Informationen fließen, statt erneut erfasst zu werden.
Kleine Lösung für ein konkretes Problem. Gemeinsamer Nutzen für viele.
Open Source hält den Ordner offen
Nachnutzung funktioniert besser, wenn die Software offen bleibt. Open Source ist nicht das Produkt. Es macht den Ordner offen für Nachnutzung, Anpassung und Weiterentwicklung.
Zuerst soll das Fachverfahren die konkrete Aufgabe lösen. Danach zählt, dass andere es nachvollziehen, selbst betreiben, anpassen und gemeinsam weiterentwickeln können.
- Keine künstliche Begrenzung auf einen Anbieter
- Selbst betreibbar
- Nachvollziehbare Software
- Anpassbar und erweiterbar
- Weitere Organisationen können beitragen
- Weiterentwicklung kann gemeinschaftlich stattfinden
Vom einzelnen Bedarf zur Nachnutzung
Heute bleibt eine Lösung oft bei dem einen Projekt, für das sie gebaut wurde. Standardordner2030 denkt den Schritt danach mit: Was entwickelt wird, kann im Ordner liegen und von anderen nachgenutzt werden.
Unser Ziel: Fachverfahren einmal entwickeln und mehrfach nachnutzen. Wir behaupten nicht, dass bereits zahlreiche Fachverfahren produktiv nachgenutzt werden. Wir bauen den Ordner, in dem das möglich wird.
Wer eine Funktion braucht, muss nicht zwingend eine komplette neue Software finanzieren. Ein konkreter Bedarf kann ein offenes Fachverfahren anstoßen. Mit der Zeit entsteht so ein gemeinsamer Bestand – dort, wo die Bedürfnisse tatsächlich auftreten.
Die Rolle von Pacifico
Standardordner2030 wird von Pacifico Digital Explorations initiiert und entwickelt. Pacifico ist der Ausgangspunkt und entwickelt die ersten Anwendungen bzw. die technische Grundlage.
Langfristig ist die Idee größer als ein einzelnes Pacifico-Produkt. Der Ordner soll sich öffnen und wachsen können: weitere Entwickler:innen, Unternehmen, Organisationen, Kommunen, öffentliche Einrichtungen und Partner können perspektivisch beitragen, Anwendungen entwickeln, Bausteine erweitern oder Anforderungen einbringen.
„Entwickelt durch Pacifico“ ist korrekt für den aktuellen Stand – aber konzeptionell nicht zwingend die langfristige Identität von Standardordner2030.
Der „2030“-Gedanke
Die Jahreszahl ist kein Versprechen: „2030 ist alles fertig.“ Sie ist eine Zukunftsfrage: Wie sollte Software für den öffentlichen Sektor aussehen, wenn wir sie heute neu denken?
Software könnte verständlicher und angenehmer sein, weniger starr, miteinander kommunizieren, offen bleiben, sich weiterentwickeln, schrittweise eingeführt werden, bestehende Systeme ergänzen – und Menschen tatsächlich bei ihrer Arbeit helfen.
Standardordner2030 ist damit auch eine konkrete Vision dafür, wie öffentliche Software in Zukunft entstehen könnte. Nicht futuristisch um des Futurismus willen, sondern sehr praktisch.
Was fehlt heute – und was wollen wir morgen nicht mehr vermissen?
Der Ordner ist noch nicht voll
Der Ordner ist noch nicht voll. Und genau das ist Absicht.
Wir wissen heute nicht, welche Fachverfahren morgen am dringendsten gebraucht werden. Deshalb bauen wir nicht einfach eine riesige Suite und behaupten, damit sei alles gelöst.
Wir füllen den Ordner dort, wo konkrete Bedürfnisse entstehen. Eine Lösung kann für eine einzelne Organisation beginnen, gemeinsam entwickelt werden und anschließend von vielen nachgenutzt werden.
Was Standardordner2030 ausdrücklich nicht ist
Keine All-in-one-Suite und kein Anspruch, sämtliche Verwaltungssoftware zu ersetzen. Kein fertiger Katalog nachnutzbarer Fachverfahren – der Ordner ist im Aufbau, und der Stand darf sichtbar sein. Kein abstraktes Open-Source-Projekt ohne Bezug zu konkreten Aufgaben. Und keine klassische Individualentwicklung, deren Ergebnis in einem einzelnen Auftrag stecken bleibt.
Was fehlt Ihnen?
Beschreiben Sie die Aufgabe oder das Fachverfahren. Daraus kann eine Entwicklung werden – allein oder gemeinsam – und anschließend ein Eintrag im Ordner, den andere nachnutzen können.